Unsichtbare Spange

Lingualtechnik

Ich hatte die grosse Chance 1986 durch den Erfinder der Lingualtechnik Craven Kurz, Beverly Hills USA, in die Behandlung mit Apparaturen auf der Zungenseite der Zähne eingeführt und ausgebildet zu werden. Seither sind zahlreiche Typen und Generationen von Brackets entwickelt worden. Vor allem in Japan fand in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre die Lingualtechnik durch Neuentwicklungen wesentliche Verbreitung. Heute favorisiere ich für den täglichen Gebrauch die Systeme Win Bracket, Incognito-Bracket (iBraces) und 2D / 3D Lingualbracket.


WIN Bracket – DW Lingual Systems

Von Prof. Dr. Dirk Wiechmann, dem Erfinder der lingualen Incognito-Brackets, weiterentwickeltes und seit dem Jahr 2013 eingeführtes Lingualbracket. Es ist ebenso individuell für jeden Zahn hergestellt und genau so flach wie das Incognito-Bracket (siehe unten). Tatsächlich gibt es jedoch eine Reihe wichtiger Unterschiede: WIN wird aus einer Stahllegierung hergestellt und ist deshalb etwa ein Drittel günstiger als Incognito. Der Bracketkörper wird nicht gegossen, sondern mit Laserstrahlen aus einem Metallpulver verdichtet, der Bracketslot anschliessend mit höchster Präzision nachgefräst, was eine ausserordentliche Achsenkontrolle ermöglicht. Danach werden die Brackets mit vorgefertigten Bracketbasen verschweißt. WIN wird mit einem Set von vier bis fünf computergesteuert vorgebogenen Behandlungsdrähten geliefert, was die Behandlung wie bei Incognito vereinfacht, das Können und die Erfahrung des Behandlers zur Erreichung eines sehr guten Resultates aber keineswegs ersetzt. Die Planungskontrolle und das langjährige Know-how des jeweiligen Behandlers in den Kontrollsitzungen und nicht das Backetsystem entscheiden die Qualität des Endresultates.


Incognito-Bracket (iBraces) – 3M Unitek

Es wurde von Prof. Dr. Dirk Wiechmann entwickelt und ist seit 2000 auf dem Markt. Produktion und Vertrieb werden seit 2010 von der Firma Unitek übernommen. Es ist bis heute das einzige mit Hilfe der CAD/CAM-Technik vollständig individualisierte Bracket auf dem Markt und hat somit in der Planung gewisser Fälle prognostische Vorteil bei der Visualisierung und Variantenplanung des Schlussresultates. Jedoch ist es aus fertigungs- und materialtechnischen Gründen teurer. Im Idealfall würde nur durch die systematische Abfolge der meistens 5 Drähte pro Kiefer ein perfektes Ergebnis erreicht. Eine auf den Frontbereich begrenzte Light-Version erlaubt auch eine Kombination mit buccalen Brackets im Seitenzahnbereich. Durch kaum vermeidbare Ungenauigkeiten im Laborprozess ist wie beim WIN System ein gewisses manuelles Eingreifen des Kieferorthopäden in den entscheidenden Behandlungsphasen notwendig. Auch hier gilt: Der Behandler bestimmt die Qualität des Endresultates.


2D / 3D Linualbracket - Forestadent

Im Jahr 1984 wurde das von J. Philippe entwickelte 2D-Bracket bzw. das ähnliche 3D-Bracket auf den Markt gebracht. Diese sehr einfach konstruierten Brackets können direkt auf die Lingualflächen aufgeklebt werden, ohne dass dafür ein aufwändiger Positionierungsprozess im Labor zwingend notwendig wäre. Trotzdem ist die Vorbereitung des Klebeprozesses im Labor empfehlenswert. Forestadents linguale Brackets sind extrem flache Konstruktionen, mit vorzüglichem Patientenkomfort. Die Forestadent Lingualbrackets eignen sich am Besten für kleine bis mittlere Behandlungen im Frontzahnbereich. Hier sind sie eine kostengünstige und einfache Alternative zu obigen teureren Produkten. Die bescheidene Torque – Kontrolle und reduzierte Rotations und Tip – Kontrolle reduziert jedoch bei höheren Qualitätsansprüchen die Indikation dieses Systems. In Kombination mit anderen Systemen ist es jedoch immer wieder hilfreich.

Der erfahrene Lingualtechnik – Behandler weiss: Selbstligierende Brackets (ohne Elastics oder Drahtligaturen) machen infolge Hygieneproblemen wenig Sinn. Plaque und Zahnsteinbildungen unter den Schliessmechanismen behindern Zahnbewegungen unnötig. Eine gute Reinigbarkeit ist das A und O bei Behandlungen mit unsichtbaren Spangen auf der Innenseite der Zähne.


Aligner, Folienspange

Es existieren mehrere Systeme auf dem Markt, welche mit Hilfe von durchsichtigen Folien - Apparaturen Zahnfehlstellungen korrigieren können. Das Prinzip beruht dabei auf der Anwendung einer Serie von starr-elastischen Folien (Aligners). Diese werden ca. alle zwei Wochen gewechselt und können die Zähne nach und nach in die richtige Position bewegen. Die Folien sind nicht unsichtbar, aber auf Sprechdistanz unauffällig. Ihre Wirkung kann sich nur richtig entfalten, wenn sie Tag und Nacht getragen werden. Bei den Mahlzeiten werden sie für kurze Zeit abgesetzt. Die wichtige Aufgabe des Kieferorthopäden ist, die richtige Indikation zu stellen, d.h. zu wissen wann und für wen eine solche Behandlung geeignet ist. Weiter bleibt er und nicht der Aligner – Hersteller verantwortlich für die richtige Planung, sie kann und darf keinem Labor delegiert werden. Es ist die Wahl für einfache Behandlungen.